Utilitarismus für Maschinen

Utilitarismus für Maschinen oder die Qual der Wahl:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/maschinen-ethik-utilitaristische-autos-14308139.html

Für fahrerlose Fahrzeuge könnte eine äußerst pragmatische Lösung sein:

1) Das Fahrzeug wird grundsätzlich in der Spur oder Fahrlinie gehalten, in der es vor einer zu bewertenden Situation fuhr.

2) Im Falle einer Entscheidungssituation prüft das Fahrzeug Wahlmöglichkeiten. Sachschaden ist menschlichem Schaden vorzuziehen, egal wie hoch ein Menschenleben bewertet wird.

3) Besteht eine Ausweichmöglichkeit, ohne menschlichen Schaden anzurichten, wird sie präferiert.

4) Ist auf Ausweichrouten potenzieller menschlicher Schaden detektiert worden und damit zu erwarten, wird die Spur mit maximaler Verzögerung gehalten, egal welcher Schaden im Falle einer Kollision droht.

Die (sicher diskussionswürdige) Idee ist also, potenzielle Wahlmöglichkeiten zwar nicht von vornherein auszuschließen, aber nach einer Negativprüfung zu verwerfen. Da der potenzielle Schaden auf einer Ausweichroute so vielfältig sein kann, wird es kein Algorithmus geben können, der alle denkbaren Situationen in entsprechend kurzer Zeit adäquat so bewerten kann, dass eine Prüfung ex post zum selben Ergebnis käme.

Dieser Ansatz berücksichtigt das menschliche Verhalten in gewisser Weise. In Gefahrensituationen bremst der Mensch (stark oder weniger stark oder auch gar nicht). Ein Ausweichen weg von der Gefahr ist zwar oft zu sehen, geht aber auch oft in die Hose, weil sich die Fahrlinien dann eben etwas später schneiden (= Kollision).

Insofern stellt der Automat das menschliche Verhalten annähernd dar, aber in deutlich verbesserter Weise. Schäden wird es weiterhin geben, aber deutlich weniger. Das Dilemma, Entscheidungssituationen nur unbefriedigend lösen zu können, ist mit dem obigen Ansatz pragmatisch umgangen.

Der Fußgänger, der über die Autobahn geht, hat dank moderner Technik damit gute Chancen, nicht totgefahren zu werden, sondern stattdessen ein lebenslanger Pflegefall zu werden.  Das Ziel der EU, die Unfalltoten zu reduzieren, ist erfüllt. Aber wie ist der gesamtgesellschaftliche Nutzen zu bewerten…

Sollte diese Bewertung jemals ein Fahrerassistenzsystem innerhalb von Millisekunden vornehmen können?

Trolley-Problem: https://de.wikipedia.org/wiki/Trolley-Problem

Siehe auch Beitrag vom Nov. 2014 “Juristische Aspekte von FAS

Permalink: http://www.faz.net/-gwz-8io8b

 

Nachtrag v. 09-08-2016: http://moralmachine.mit.edu/

 

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